Tokenisierte Geldmarktfonds:

DLT hält Einzug in regulierte Fonds

06. August 2026

Schroders hat nach Unternehmensangaben die Genehmigung für seine erste tokenisierte Anteilklasse eines US-Dollar-Geldmarktfonds erhalten. Der Schritt reiht sich in eine Entwicklung ein, die zuletzt auch bei Aviva Investors und BlackRock sichtbar wurde: Distributed-Ledger-Technologie findet zunehmend Eingang in regulierte Geldmarktfonds. Für Marktteilnehmer stellt sich damit vor allem die Frage, was sich durch die Tokenisierung bei Übertragung, Abwicklung und potenzieller Collateral-Nutzung tatsächlich verändert.

Schroders will für die neue Anteilklasse mit Kinexys von J.P. Morgan arbeiten. Smart Contracts sollen unter anderem Übertragungen und Rückgaben von Fondsanteilen unterstützen. Als mögliche weitere Anwendungen nennt der Asset Manager Collateral sowie Treasury- und Liquiditätsmanagement.

Dabei geht es nicht um eine neue Anlageklasse. Tokenisiert wird zunächst der Fondsanteil beziehungsweise eine Anteilklasse – nicht automatisch das gesamte zugrunde liegende Portfolio.

WAS ÄNDERT SICH DURCH DIE TOKENISIERUNG?
Bestehender Geldmarktfonds
Portfolio, Anlageziel und Fondsstruktur bleiben bestehen.
TOKENISIERT WIRD DER FONDSANTEIL
Der Anteil wird digital über eine DLT-Infrastruktur repräsentiert.
Nicht automatisch tokenisiert: das gesamte Fondsportfolio.
Dadurch können Prozesse rund um den Fondsanteil digitaler werden
Übertragung
Abwicklung
Potenzielle
Collateral-Nutzung
Eigene Darstellung auf Basis der im Artikel genannten Anbieter- und Aufsichtsquellen.
Tokenisierung verändert vor allem die Infrastruktur

Auch bei anderen aktuellen Modellen bleibt die wirtschaftliche Struktur des Fonds weitgehend bestehen. BlackRock beschreibt etwa Token, die Anteile an bestehenden Geldmarktfonds repräsentieren. Aviva Investors betont bei seiner tokenisierten Anteilklasse, dass Anlageziel, Risikoprofil und Liquiditätseigenschaften denen der konventionellen Struktur entsprechen.

Damit liegt der wesentliche Unterschied zunächst in der technischen Infrastruktur: Fondsanteile können über DLT-basierte Systeme gehalten, übertragen und in digitale Finanzmarktprozesse eingebunden werden.

Die Central Bank of Ireland beschreibt in ihrem Diskussionspapier zur Tokenisierung ähnliche Modelle als „Digital Twin“-Ansätze. Der digitale Token bildet dabei einen bestehenden Vermögenswert oder Anteil ab, ohne dass die gesamte Fondsstruktur vollständig auf einer Blockchain geführt werden muss.

Warum Geldmarktfonds besonders interessant sind

Geldmarktfonds spielen im institutionellen Cash- und Liquiditätsmanagement eine wichtige Rolle. Eine digital übertragbare Anteilklasse könnte deshalb leichter mit anderen digitalen Finanzmarktprozessen verbunden werden.

Schroders und BlackRock nennen unter anderem mögliche Anwendungen im Collateral Management. Denkbar ist beispielsweise, dass Fondsanteile innerhalb digitaler Infrastrukturen schneller übertragen oder für bestimmte Besicherungsprozesse eingesetzt werden können.

Dabei handelt es sich bislang vor allem um mögliche Effizienzvorteile. Aus den aktuellen Projekten lässt sich noch nicht ableiten, dass Tokenisierung grundsätzlich Kosten reduziert oder die Liquidität eines Fonds verbessert.

Technische Übertragbarkeit ist nicht gleich Fondsliquidität

Gerade bei Geldmarktfonds ist diese Unterscheidung wichtig. Ein tokenisierter Fondsanteil kann technisch einfacher oder schneller übertragen werden. Die Liquidität des zugrunde liegenden Fondsportfolios verändert sich dadurch jedoch nicht automatisch.

Für Investment- und Treasury-Funktionen sollten deshalb zwei Ebenen getrennt betrachtet werden: die wirtschaftliche Liquidität des Fonds und die technische Infrastruktur für Übertragung und Abwicklung.

Neue Infrastruktur bringt neue Anforderungen

Mit DLT entstehen zugleich neue Abhängigkeiten. Die Central Bank of Ireland nennt unter anderem operationelle Resilienz, Interoperabilität, Skalierbarkeit sowie rechtliche und regulatorische Klarheit als wichtige Voraussetzungen für eine breitere Nutzung.

Für Asset Manager und Finanzinstitute rücken damit Fragen zur Steuerung von Smart Contracts, zu Schnittstellen mit bestehenden Fondssystemen sowie zu Technologie- und Dienstleisterrisiken stärker in den Fokus.

Das Diskussionspapier der irischen Zentralbank vom März 2026 ist dabei keine neue regulatorische Vorgabe, sondern eine regulatorische Hintergrundquelle zur weiteren Marktentwicklung.

Tokenisierung bedeutet nicht automatisch MiCA

Auch regulatorisch sollte zwischen technischer Form und rechtlicher Einordnung unterschieden werden. Ein Vermögenswert fällt nicht allein deshalb unter MiCA, weil er auf einer Blockchain abgebildet wird.

Nach den ESMA-Leitlinien kommt es auf die Rechte und wirtschaftlichen Eigenschaften des jeweiligen Instruments an. Ein Finanzinstrument bleibt grundsätzlich ein Finanzinstrument, auch wenn es tokenisiert wird.

Für tokenisierte Fondsanteile bedeutet das: Die technische Tokenisierung macht aus einem regulierten Fondsanteil nicht automatisch einen MiCA-Kryptowert.

WAS DAS FÜR DIE FINANZPRAXIS BEDEUTET
Für Asset Manager geht es zunehmend darum, bestehende Fondsprodukte in digitale Vertriebs-, Transfer- und Abwicklungsprozesse einzubinden.
Für Treasury- und Markets-Funktionen könnte besonders relevant werden, ob tokenisierte Geldmarktfonds künftig stärker in Collateral- und Liquiditätsprozesse integriert werden können.
Risiko-, Compliance- und Operations-Funktionen müssen gleichzeitig Governance, technische Infrastruktur, operationelle Resilienz und regulatorische Einordnung berücksichtigen.
Fazit

Tokenisierte Geldmarktfonds zeigen, wie DLT schrittweise in etablierte Finanzmarktstrukturen einzieht. Im Mittelpunkt steht derzeit weniger eine neue Anlageklasse als die Modernisierung der Infrastruktur bestehender Fondsanteile.

Die Projekte von Schroders, BlackRock und Aviva Investors zeigen, dass große Asset Manager diese Modelle inzwischen praktisch umsetzen. Ob daraus langfristig tatsächlich effizientere Abwicklungs-, Collateral- oder Liquiditätsprozesse entstehen, muss sich jedoch erst in der breiteren Anwendung zeigen.

Weiterbildungsbezug

Ein fachlicher Bezug besteht zum Certified Specialist for Bitcoin & Digital Assets, insbesondere bei Tokenisierung, Blockchain-Anwendungen und der regulatorischen Einordnung digitaler Finanzmarktstrukturen.

Quellen
  • Financial News: „Schroders gets nod from Irish regulator in fund tokenisation push“, 5. August 2026.
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  • BlackRock Cash Management: „BlackRock launches first tokenised access to funds in Europe“, 4. August 2026.
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  • Aviva Investors: „Aviva Investors launches tokenised Liquidity Fund share class in partnership with Ripple“, 29. Juli 2026.
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  • Central Bank of Ireland: „Discussion Paper 12 – Distributed Ledger Technology (DLT) & Tokenisation in Financial Services“, 5. März 2026.
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  • ESMA: „Guidelines on the conditions and criteria for the qualification of crypto-assets as financial instruments“, 19. März 2025.
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  • J.P. Morgan: „Tokenized Money Market Funds on Kinexys“, 14. Mai 2026.
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